Shantys

Haben Sie sich nicht auch schon gefragt, was Shantys sind? Dass Shantys etwas Gesungenes und im weiteren Sinne Lieder sind, das haben Sie wohl schon gewusst. Aber was verbirgt sich denn eigentlich wirklich hinter diesem Begriff. Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, finden Sie nachstehend die Erklärung

Unsere Shantys

Wenn Sie sich interessieren, welche Shantys unser Chor denn eigentlich singt, dann finden Sie hier in unserem Shantyverzeichnis nach Titel (Shantys-T) oder Shantyverzeichnis nach Nr (Shantys-N) mehr.

Shantys und Segler:

Singen denn Segler eigentlich heute noch Shantys? oder ist dies nur noch eine Hymne auf eine längst vergangene Zeit? Lesen Sie mehr nachstehend in einem Interview von Uwe Janßen

Was sind Shantys ?

Abriss der Geschichte der Shantys zusammengestellt von Edy Wyttenbach, fürs Web aufbereitet von Kari Liebethal


Die Hohe Zeit der atlantischen Segelschifffahrt war ungefähr von 1815 bis 1880. Sie diente vor allem dem Handel zwischen Amerika und Europa. Die Amerikaner konstruierten zu diesem Zweck ihre sogenannten "Klipper", die schlank, schnittig und sehr schnell waren. Nach 1880 ging es abwärts mit der Segelschifffahrt, das grössere und schnellere Dampfschiff, verdrängte nach und nach die Klipper.

Die Bezeichnung Shanty kommt wahrscheinlich vom englischen chant = singen.

Shanty diente häufig als Bezeichnung für Lieder der Schwarzen.

Manches Lied, das schliesslich als Shanty auf den Segelschiffen gesungen wurde, ging aus Arbeitsgesängen der Schwarzen hervor, die oft als Baumwollstauer in den Häfen im Süden der USA arbeiteten.

Das Shanty ist in seiner ursprünglichen Bedeutung immer nur das Lied, das die Seeleute bei der Arbeit sangen! Von daher kommt auch die charakteristische Form des Shantys:
Der Wechselgesang zwischen dem Vorsänger und der Crew.

Shantyman =  Vorsänger
Crew          =  Chor

Die verschiedenartigen Arbeiten auf dem Schiff verlangten auch verschiedene Formen des Arbeitsgesanges und so unterscheidet man mehrere Gruppen von Shantys:

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Shantys beim Straffen von Tauen:


Short-Haul-Shanty

amerikanisch auch Short-Drag-Songs genannt, sind eine Art "Hau-Ruck-Lieder", die gesungen wurden wenn es galt, das Tau in kurzen, kräftigen Zügen zu straffen. Einem einzeiligen Solo des Shantyman antwortet der Chor mit einem einzeiligen Refrain. Dieser besteht in vielen Short-Haul-Shantys nur aus einem kurzen Arbeitsruf, wobei auf dem letzten, herausgepressten Wort der Zug (pull) ausgeführt wird.

Beispiel: Nr.12 Boney was a warrior (auch als Halyard möglich)

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Santys für das Hissen von Segeln


Halyard-Shanty

auch Fall-Shanty genannt, wurde gesungen, wenn das länger ausholende Ziehen beim Segel setzen begleitet werden sollte. Der Matrose blieb an Ort und zog das Tau ruckartig durch die Faust. Short-Haul-Shantys wurden auch für diese Arbeit sehr häufig gesungen, da sie sich dazu sehr gut eignen. Deshalb findet man Halyard-Shantys sehr oft als Short-Haul-Shantys bezeichnet, und umgekehrt. Diese Shantys werden auch etwa als Hand-over-hand-Shanty bezeichnet, da das Tau mit der linken und rechten Hand abwechselnd geholt wird.

Es sind meist 4 zeilige Strophen, abwechselnd von Vorsänger und Chor gesungen. In jeder Chorzeile sind ein bis zwei Ruck. Meist Kreuz-Reime.

Beispiel: Nr.10: De Hoffnung

Walk-away-Shanty


Auch Stamp-and-go-Shanty genannt, wurde gesungen, wenn die Matrosen das Tau festhielten und, über die Schulter gelegt, damit über das Deck marschierten, um es anzuspannen und die Segel hochzuziehen. An bestimmten Stellen wurde im Rhythmus laut und fest gestampft. Die Strophen sind lang und im Marschrhythmus. Häufig auch ohne Vorsänger, nur Chor.

Beispiel: Nr. 13 Drunken sailor

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Shantys für die Bedienung des Gangspills (capstan), des Bratspills (windlass) und der Pumpen.


Diese Gruppe von Shantys, die zur Bedienung des Gangspills (capstan), des Bratspills (windlass) oder der Pumpen gesungen wurden, sind zum Teil kaum von einander zu unterscheiden, da das gleiche Shanty sehr oft bei allen drei Arbeitsvorgängen gesungen wurde.

Gangspill-Shanty


Auch Capstan-Shanty genannt, wurde bei der Arbeit am Gangspill (siehe kleines Lexikon)gesungen, wobei die Seeleute die in den Spillkopf gesteckten schweren Spillstaken festhalten und auf Bauchhöhe vor sich herschieben, um das Gangspill zu drehen und so die Kette zum Hieven und Heissen von schwerem Gerät, wie z.B. den Anker, aufzuwickeln.

Da das Gangspill vor allem zum Hieven der Ankerkette diente, bildete sich eine besondere Untergruppe dieser Shanty-Art, die sogenannten Homeward-bound-Songs, die schon fast ritual jeweils gesungen wurden, wenn die Anker zum letzten Mal für die Heimreise gelichtet wurden.

Bratspill-Shanty


Auch Windlass-Shanty genannt, diente ebenfalls zum Aufwickeln einer Kette oder eines Taues, aber die Drehbewegung geschah in der Vertikalen.

Für diese beiden Shanty-Gruppen ist folgender Aufbau charakteritisch: Solozeile - kurze Chorzeile - Solozeile - wiederholte Chorzeile, dann eine längere Chorpartie.

Beispiel für beide Gruppen: Nr. 7 The banks of Sacramento

Pump-Shanty


Der Name sagt schon, dass dieses Arbeitslied beim Auf- und Abbewegen des Pumpenschwengels gesungen wurde. Es unterscheidet sich im Aufbau nicht von den Gangspill- und Bratspill-Shantys, wohl aber im Text, wo auf das Pumpen meist direkt Bezug genommen wird. Häufig ohne den anschliessenden, längeren Chorteil.

Beispiel: Nr. 28 Shanty an der Pumpe

Schliesslich muss noch die Gruppe der

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Pollerlieder


auch Forebitter genannt, erwähnt werden, die Shantys sind, obgleich sie nicht einer bestimmten Arbeit zugeordnet werden können. Es sind Lieder, die bei bestimmten Anlässen gesungen wurden und bestimmte Rituale begleiteten, wie etwa das Ueberqueren des Aequators, oder Walfänger beim Kreuzen des Polarkreises. Gesungen wurde aber auch, wenn bei gutem Wetter die Seeleute in der kargen Freizeit auf den Pollern (grosse, oft pilzförmige Eisenköpfe über Deck zum Festmachen der Taue) sassen und zur Freude sangen, oft balladen- und moritatenähnliche, aber auch besinnliche, schwermütige Lieder.

Beispiel: Nr.26 Saturday night at sea

Während die Arbeitslieder ohne jede Begleitung erklangen, wurden die Forebitter sehr häufig mit Handharmonika, Fiedel oder Gitarre begleitet.

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Herkunft und Inhalt


Vielfältig ist die Herkunft der Melodien, deren älteste bis zurück ins 16. Jahrhundert datiert werden muss. Die meisten stammen aber aus dem 19. Jahrhundert, der letzten grossen Blütezeit der Segelschifffahrt auf den Weltmeeren.

Sie kommen von den Baumwollplantagen im Süden der USA, wo Seeleute oft im Winter arbeiteten und dann in den Sommermonaten sich anheuern liessen und auch die von den Schwarzen gesungenen Melodien mitbrachten.

Andere Melodien, sehr oft gleich mit dem dazugehörenden Text, kommen aus dem Liederschatz der nordamerikanischen Eisenbahnarbeiter, Goldgräber und Holzfäller. Wir finden aber auch schottische Volksweisen, Seemannsballaden, Bänkelsängermelodien. Das aus verschiedensten Quellen stammende Liedgut wurde vielfach nur durch das Anhängen von refrainartigen Chorpartien für die Begleitung des Arbeitsvorganges auf dem Schiff "brauchbar" gemacht.

Vielfältig und bunt wie die Herkunft der Lieder ist auch ihr Inhalt. Nimmt man sie alle zusammen, so wird ein volles, ungeschminktes Bild des Seemannslebens jener Zeit in ihnen lebendig. Wir hören von der Härte der Arbeit und den Entbehrungen auf den langen und oft gefährlichen Fahrten über die Ozeane, von den rücksichtslosen Methoden, mit denen die Kapitäne häufig ihre Mannschaft auffüllten und beherrschten, aber auch vom Hass der Matrosen und ihrem Widerstand gegen solche Kapitäne und Steuerleute. Und natürlich hören wir von der Sehnsucht nach der Heimat und nach dem Hafen mit seinen Vergnügungen, nach den Mädchen und einfach auch nach ein bisschen Ausruhen. (H.Strobach)

Wenn sich auch die Bedingungen, unter welchen der Seemann leben und arbeiten musste, sehr häufig der Sklaverei näherten, so spürt man doch in den meisten Texten auch die Liebe zur Seefahrt. Vor allem kommt sie im kräftigen, befreienden Humor des Seemannes zum Ausdruck, der zum unverwechselbar eigenen Ton des Shanty gehört, insbesondere in den Scherz- und Spottliedern, wie etwa vom "alten Kasten", vom betrunkenen Seemann, von Boney (Bonaparte) oder vom unerfahrenen Highland-Laddie...

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H. Strobach schreibt dazu:

In der Erinnerung der alten Seeleute und Segelschiffskapitäne verdichtete sich nun die grosse Zeit der Segelschifffahrt zu einem Bild stolzer und kühner Taten; doch gehörte zu diesem Bild auch das Wissen um die Nöte und Entbehrungen des Dienstes auf den schönen und schnellen, aber gefährdeten Klippern. Denn Leben und Arbeit auf den Segelschiffen war unvorstellbar hart und schwer. Die Schiffe waren sehr lange unterwegs und lagen bei ungünstigem Wind viele Tage fest-, besonders bei den schwierigen Kap-Umsegelungen. Disziplin und Ordnung unter den zumeist bunt zusammengewürfelten, nicht selten auch mit Zwang oder Erpressung zusammengebrachten Mannschaften wurden von den Kapitänen oft mit brutaler Gewalt durchgesetzt; vor allem die amerikanischen Paket-Schiff s-Linien waren dafür berüchtigt. Die gewaltig vergrösserte Fläche des Segeltuchs auf den schnellen Seglern des Klipper-Typs machte jedes Manöver zu einer ungeheuren körperlichen Anstrengung. Aber auch alle anderen, sämtlich mit den Händen auszuführenden Arbeiten, an den Pumpen, beim Anker hieven, am Gangspill usw., erforderten grossen Krafteinsatz der gesamten Mannschaft in einem gleichmässigen, sich wiederholenden Rhythmus; und um diesen gleichen Arbeitsrhythmus zu gewährleisten, doch auch um die gleichförmige Arbeit sich etwas zu erleichtern, sangen die Seeleute Lieder, die sie Shantys nannten. Dabei ist der Vorsänger der führende Teil. Ihm fällt der eigentliche, von Strophe zu Strophe veränderliche Text zu, der erzählend, oft auch anfeuernd, aufmunternd oder belustigend ist und den der Vorsänger nach Belieben und vor allem nach Phantasie und Können improvisierend erweitern oder verändern kann. Es gab für diese Lieder keine feste, gleichbleibende, verbindliche Form. Jeder Shantyman sang sie etwas anders... Die Mannschaft antwortet im Chor auf den Gesang des Shantyman mit dem meistens gleichbleibenden Refrain, der den Takt für die Arbeit angibt.

Shantys und Segler heute

Ein Interview aus "YACHT" 9/2010 von Uwe Janßen  zum Internetauftritt der "YACHT"

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